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Kurze Geschichte der Seilerei David Dietrichs
Die am 15.Dezember 1845 vom Seilermeister David Dietrichs in Abbendorf (Altmark) gegründete Seilerei ist heute in Salzwedel beheimatet, trägt aber noch immer den Namen ihres Gründers und blieb über alle Generationen hinweg im Familienbesitz. Salzwedel (22000 Einwohner) ist eine attraktive Kreisstadt im äußersten nordöstlichen Zipfel Sachsen-Anhalts gelegen (100 km nördlich von Magdeburg und etwa 60 km nordöstlich von Wolfsburg) und bildet den Mittelpunkt des landwirtschaftlich geprägten Altmarkkreises. Kulinarisches Merkmal dieses Ortes, außerordentlich leckere Baumkuchen, von deren hervorragendem Geschmack sich der Autor selbst überzeugen konnte.

Beginn mit geborgtem Geld

David Dietrichs musste sich von einem Bauern in Abbendorf 100 Taler leihen, um überhaupt erst einmal Flachs für sein Handwerk einkaufen zu können. Nette Episode dazu: Dem Bauern der ihm damals das Geld geliehen hatte und seinen Nachfahren, wurden bis zur Inflation alle von ihnen benötigte Seilerwaren kostenlos überlassen. Nach einem Intermezzo in Beetzendorf siedelte David Dietrichs nach Salzwedel über, wo er 1871 das Grundstück Neutorstraße 36 erwarb, das heute noch Sitz des Unternehmens ist. 1884 übergab der Gründer seinem Sohn August die Seilerei, der das Grundstück vergrößerte um eine längere Seilerbahn zu bekommen. Dessen jüngste Tochter Hedwig heiratet nach dem ersten Weltkrieg den Ingenieur Erich Donath, der als Konstrukteur in den Wandererwerken in Chemnitz tätig war. An ihm übergab August Dietrichs (er starb 1929) dann die Seilerei, zu der inzwischen auch ein Ladengeschäft gehörte. Auch dieser Laden (jetzt erweitert durch Sportgeräte) ist heute noch in Besitz der Familie.

Erste elektrisch betriebene Maschine gekauft

Das die Firma Dietrichs schon immer eine grundsolide Unternehmung war, beweist die Tatsache, dass man 1926 das Hausieren nach kurzer Zeit wieder einstellte, weil es nicht dem Image des Betriebes entsprach. Hauptgeschäft war zu dieser Zeit die Herstellung von Erntebindegarn. 1934 erfolgte dann der Kauf der ersten elektrisch betriebenen Seil- und Spulmaschine "Herma".
Die schweren Zeiten der Inflation und des zweiten Weltkrieges wurden von der Familie gemeistert, bescheiden gelebt und solide gearbeitet.

Maschinen selbst konstruiert und gebaut

Nach Rückkehr der beiden Söhne Erich Donaths , Dietrich und Gerhard 1945 aus der Kriegsgefangenschaft, erfolgte ein Neuanfang. Jetzt begann die große Zeit des Improvisierens, nicht nur beim Material, sondern auch bei den Maschinen: Eine Seilerei baute sich ihre Produktionsmittel selbst! Höhepunkt war eine in eigener Regie entstandene Seilschlagmaschine, die bis in die jüngste Vergangenheit zuverlässig arbeitete. Jetzt noch funktioniert eine Spulmaschine, dessen Drehkörper einer Drehbank und das Getriebe einem AWO-Motorrad (einstmals ein beliebtes Fortbewegungsmittel in der DDR) entstammt.

Pionierleistungen beim Einsatz von Chemiefasern in der Seilerei

Ab 1954 erfolgte eine völlige Umorientierung der Salzwedler Seilerei auf die Verarbeitung der Chemiefasern Polyamid und Polyester für den Fischereisektor. Die Dietrichs waren eine der ganz wenigen Seilereien in der ehemaligen DDR, die an Forschungsaufgaben zum Einsatz von Synthesefaserstoffen für die Fischereiflotten mitwirkte. Das Geschäft lief ausgezeichnet, 10 Arbeitskräfte hatten gut zu tun.
Nach 37 Jahren solider Handwerkstätigkeit übergab 1959 Erich Donath den Betrieb an seine Söhne Gerhard und Dietrich. Am 1.1.1986 übernahm schließlich der heutige Geschäftsführer Dietmar Donath die Leitung. Er hatte ursprünglich Elektrotechnik studiert, kehrte aber aus familiären Gründen 1978 nach Salzwedel zurück und qualifizierte sich zusätzlich zum Seilermeister.

Das Unternehmen in der Gegenwart

Die Einheit Deutschlands brachte, wie für die meisten ostdeutschen Betriebe, auch für die kleine Seilerei in der Altmark erhebliche Schwierigkeiten mit sich. Aber der rührige Dietmar Donath ( jetzt Mitglied des Vorstandes des Bundesverbandes des deutschen Seiler-, Segel- und Netzmacherhandwerkes) meisterte die schwierige Situation. Er verschweigt aber heute auch nicht, dass ihm dabei Fachkollegen aus den alten Bundesländern halfen.


Ab Sommer 1992 ging es dann aufwärts. Es wurde wieder investiert und Maschinen (überwiegend gebrauchte) gekauft, selbst gebaut oder umgebaut. Gegenwärtig beschäftigt Dietrichs Seilerei insgesamt wieder 6 Mitarbeiter und es laufen 35 Maschinen in der ehemaligen Seilerbahn. Auch Lehrlinge werden von Zeit zu Zeit ausgebildet, eine verdienstvolle Initiative.


Der Kundenkreis für die Salzwedler Flecht- und Seilerzeugnisse verteilt sich über ganz Deutschland, ja sogar bis in den EU-Raum reichen die Handelsbeziehungen. Dabei steht der Kundenwunsch im Vordergrund, auch kleinste Mengen werden hergestellt. 80% des Umsatzes erzielt die Produktion, 20% der Handel. Stolz ist Dietmar Donath auf seinen treuen Stammkundenkreis, der die Solidität des Unternehmens schätzt. Aufbauend auf dieser Basis hofft er, dass er auch in den kommenden Jahren das Seilerhandwerk im Norden Sachsen-Anhalts erhalten kann. Alle Anzeichen sprechen für eine stabile Weiterentwicklung dieses traditionsreichen und soliden Unternehmens.
 

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